LÖSUNGEN, DIE ÜBERZEUGEN

Facility Management für über 200.000 Fluggäste täglich

Im Gespräch mit Georg Rüther, dem Asset Manager beim Flughafenbetreiber Fraport

Die Schiebetüren am Eingang zum Terminal 1 des Frankfurter Flughafens sind pausenlos in Bewegung. Unablässig strömen Menschen mit Rollkoffern oder nur einer Handtasche in die Halle. Andere sind gerade gelandet und auf dem Heimweg. In Spitzenzeiten durchlaufen 220.000 Passagiere den Airport. An nur einem Tag. Priorität hat für sie, möglichst schnell, sicher und in einem angenehmen, sauberen Umfeld zu ihrem Gate zu kommen. Georg Rüther sorgt dafür, dass diese Erwartung erfüllt wird. Er ist Asset Manager beim Flughafenbetreiber Fraport und für die Terminals verantwortlich.

Dabei müssen er und seine rund 120 Mitarbeiter, Bauingenieure, Architekten und Planer, eine besondere Herausforderung meistern: Der Frankfurter Flughafen ist nicht nur der drittgrößte Airport Europas, er ist auch einer der ältesten Flughäfen. Das heutige Terminal 1 wurde bereits 1971 in Betrieb genommen, an Terminal 2 docken Flugzeuge seit 1992 an. Entsprechend hoch ist der kontinuierliche Modernisierungsbedarf für den Erhalt dieser ewigen Immobilie. Denn schließlich soll der Airport auch in Jahrzehnten noch ein funktionierendes Drehkreuz für Urlaubsflüge und Geschäftsreisen sein. Davon lässt sich Georg Rüther aber nicht schrecken.


„Ich liebe den Flughafen Frankfurt. Für mich ist diese Aufgabe mehr als ein Job, es ist eine innere Mission.“

Georg Rüther, Asset Manager beim Flughafenbetreiber Fraport

Georg Rüther


„Ich liebe den Flughafen Frankfurt. Für mich ist diese Aufgabe mehr als ein Job, es ist eine innere Mission“, sagt er, während er auf eine unscheinbare graue Tür zueilt. Kurz dahinter, nur eine Etage tiefer steht man in einer Technikzentrale, die fast so groß ist wie ein Fußballfeld. Wo nie ein Fluggast hinkommt, verlaufen zahllose Rohre vom Boden bis zur Decke. Ein beständiges Brummen von Motoren ist zu hören.

„Von hier aus reguliert hochmoderne Technik Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Terminals und sorgt damit für ein Raumklima, in dem sich die Menschen oben wohl fühlen“, erklärt der 53-Jährige. „Die Passagiere ebenso wie die Mitarbeiter, die den ganzen Tag am Flughafen verbringen.“ Immerhin arbeiten insgesamt mehr als 80.000 Menschen am Airport Frankfurt, rund 500 Unternehmen sind hier vertreten. So können Fluggesellschaften bei der Bodenabfertigung – wie dem Beladen, Betanken und Reinigen von Flugzeugen – auf Services von Facility-Management-Anbietern zurückgreifen. Und ohne die zahlreichen Dienstleister, die am Boden für Sicherheit, Sauberkeit und die gewohnten Annehmlichkeiten der Fluggäste sorgen, wäre ein reibungsloser Betrieb gar nicht möglich.

Alle Technikzentralen zusammen bilden die größte Lüftungsanlage Europas. Dabei hat schon eine einzige die Leistung von 400 Dunstabzugshauben. Und diese Power benötigen sie auch, angesichts der enormen Dimensionen der Gebäude und weil sie ein elementarer Bestandteil des Brand- und Rauchschutzes sind. Wird die Entrauchung gemeinsam mit der Flughafenfeuerwehr getestet, sorgen die Hochleistungsturbinen im Notfall dafür, dass die Abflughalle in wenigen Minuten wieder rauchfrei ist.

„Angesichts der wichtigen Brandschutzfunktion können wir eine Technikzentrale nicht aus dem System nehmen, ohne eine ganze Ebene stillzulegen“, berichtet Georg Rüther. „Deshalb kann an den Lüftungszentralen nur nachts gearbeitet werden, wenn im Passagierbereich kein Betrieb mehr ist. In Frankfurt heißt das, wir sind auf die fünf Stunden zwischen 23 Uhr und 4 Uhr morgens beschränkt.“ Umso punktgenauer muss der Austausch defekter Geräte geplant werden.

Bei der Wartung der Gebäudetechnik wie Brandmelde- und Sicherheitsanlagen, der Instandhaltung von Schaltschränken oder Ergänzungsinstallationen in der Elektrotechnik werden die Fraport-Mitarbeiter von externen Dienstleistern unterstützt.

Rund 60 Prozent seines Facility-Management-Umsatzes vergibt Fraport an spezialisierte FM-Dienstleister. Ihr Einsatz gewährleistet das reibungslose Funktionieren der Systeme und trägt maßgeblich zur Sicherheit auf dem Flughafengelände bei. Eine Automatisierung der ausgedehnten gebäudetechnischen Anlagen ist dabei unabdingbar. „Intelligente“ Sensoren und Fühler steuern die komplizierten, voneinander abhängigen Prozesse.

Das Potential, für die Modernisierung der technischen Anlagen den Energieverbrauch zu reduzieren, ist bei einem so riesigen Organismus enorm. „Wenn man den Energieumsatz des Flughafens für Wärme, Kälte und Strom zusammenrechnet, erreicht er in etwa das Niveau der Stadt Offenbach“, sagt Asset Manager Rüther. Entsprechend groß ist sein Bestreben, die Energiekosten ebenso wie den CO2-Ausstoß zu senken. So wird beispielsweise die Beleuchtung kontinuierlich auf LED umgestellt.

„Mit der Modernisierung der Technikzentralen können wir den Energieverbrauch um bis zu 60 Prozent reduzieren“, berichtet der studierte Bauingenieur begeistert und verschwindet in einer engen Luftschleuse, um auf der anderen Seite einen Wärmetauscher und mannshohe Turbinen zu präsentieren. „Bei Wärme können wir sogar heute schon bis zu 80 Prozent der Energie zurückgewinnen.“ Um möglichst nachhaltig zu wirtschaften, werden nur hocheffiziente Pumpen, Motoren und Regler eingebaut. Dabei plant Georg Rüther vorausschauend. Bei der Bemessung der Kapazitäten neuer Anlagen wird nicht der aktuelle Bedarf zugrunde gelegt, sondern die Erfordernisse der nächsten Jahrzehnte.

Unser Masterplan für das Asset- und das Facility Management sieht eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Gebäude des Flughafens vor. Wir wissen schon heute, wie der Flughafen 2050 aussehen kann.“ Rüther läuft wieder einige Treppen nach oben und tritt durch eine schwarze Tür. Im gleichen Moment befindet er sich nicht mehr in Räumen, die sonst nur Techniker betreten, sondern läuft zwischen Menschen mit Reisetaschen, die sich ihren Weg zur nächsten Rolltreppe bahnen. Vorbei geht es an Cafés und Duty-free-Shops, die Uhren und Schmuck anbieten. Das Ziel ist die Gepäckabfertigung auf dem Vorfeld. Zuvor muss aber auch Georg Rüther durch die Sicherheitskontrolle, als würde er einen der nächsten Flüge nehmen wollen.

Unter dem Terminal wiederum öffnet sich eine völlig andere Welt – nur wenige Meter von den großen Flugzeugen entfernt. Passagiere dürfen sich hier nur in Bussen fortbewegen, die zwischen Fahrzeugen von Airlines, Polizei oder Feuerwehr manövrieren. Und natürlich die Gepäckwagen mit zwei bis drei Anhängern. Um die nächste Kurve kommt ein Gepäckförderband in Sicht, an dem Mitarbeiter ankommende 25-kg-Koffer nicht mit Muskelkraft, sondern mit Hilfe eines schwenkbaren Metallarms und eines Luftdrucksaugers auf das Band bugsieren. Die Flugnummern auf den Etiketten der Taschen werden per Laser ausgelesen. „Frankfurt hat kein verlorenes Gepäck“, berichtet Georg Rüther.

Um zu gewährleisten, dass die hochautomatisierten Prozesse möglichst reibungslos funktionieren, beobachten die Kollegen in der Gepäck-Leitzentrale 24 Stunden am Tag eine ganze Reihe von Monitoren. Der Anblick erinnert an den Handelssaal der Frankfurter Börse. Rot blinkende Dreiecke zeigen eine Störung an, vielleicht ein verkeiltes Gepäckstück. Damit kein Stau auf den insgesamt 83 Kilometer langen Transportbändern des Frankfurter Flughafens entsteht, wird der Strom der Koffer und Taschen sofort auf eine alternative Route umgeleitet. Zugleich werden Kollegen vor Ort alarmiert, um die Störung zu beseitigen.

Nachdem Georg Rüther die Gepäck-Leitzentrale wieder verlassen hat, läuft er schon bald durch die Ankunftshalle, wo Familienangehörige auf ihre Lieben warten. „Wir nutzen hier in Frankfurt hochkomplexe Technik, um zu gewährleisten, dass die Flugzeuge pünktlich landen und wieder abfliegen können, damit Urlauber ebenso wie Geschäftsreisende bequem, schnell und sicher an ihr Ziel kommen“, sagt der 53-jährige Asset-Manager. „Was der Passagier davon sieht, ist nur die Spitze des Eisbergs.“