LÖSUNGEN, DIE ÜBERZEUGEN

Neue Wege für bessere Arbeitswelten

Im Gespräch mit Wolfgang Bonnet, dem Leiter Facility Management der Schreiner Group.

Was haben Oberschleißheim, New York und Shanghai gemeinsam? Eine Menge, denn an allen Standorten ist die auf Hightech-Label spezialisierte Schreiner Group vertreten. Am Hauptsitz in Oberschleißheim bei München herrscht Hochbetrieb: Mehr als 1.000 Mitarbeiter widmen sich hier der Entwicklung und Produktion von Siegelmarken, Etiketten und Funktionsteilen für Pharma- und Automobilhersteller, Banken und Behörden.

Seit der Gründung des Familienunternehmens vor 66 Jahren geht es dem Mittelständler um soliden, nachhaltigen Fortschritt. Spätestens hier kommt Wolfgang Bonnet ins Spiel: Denn der Leiter des Facility Managements sorgt für moderne Wirtschaftlichkeit zugunsten von Menschen und Umwelt – und überträgt das Erfolgsmodell auch auf die internationalen Standorte.


„Wer sich wirtschaftlich und technisch weiterentwickeln will, muss sich trauen, neue Wege zu beschreiten.“

Wolfgang Bonnet,
Leiter Facility Management

Wolfgang Bonnet


Mit den Jahrzehnten ist die Schreiner Group vom regionalen Fabrikanten zu einem Hightech-Innovator geworden, der mehr als 12.000 verschiedene Sicherheitsprodukte von Feinstaubplaketten über 3D-Bauteile bis zu NFC-Stickern zum bargeldlosen Bezahlen herstellt. Der Jahresumsatz liegt bei fast 175 Millionen Euro. In diesem Umfeld hat Wolfgang Bonnet auf insgesamt 72.000 Quadratmetern eine Infrastruktur entwickelt, die überflüssige Betriebskosten vermeidet und den Mitarbeitern einen erstklassigen Arbeitsplatz bietet. Er ist überzeugt: „Facility Management und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch. Denn oft ist das, was der Umwelt nützt, auch das, was dem Geldbeutel guttut.“

Dazu gehört zum Beispiel ein hochmodernes Brunnensystem. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist die Vollklimatisierung der Produktionsbereiche, in denen sehr sensible Materialien verarbeitet werden“, erklärt Bonnet. Am Standort in Oberschleißheim wird durch sogenannte Horizontalfilterbrunnen permanent Wasser aus 18 Metern Tiefe gefördert, über ein komplexes Pumpensystem verteilt und am Ende des Kreislaufs in einen Schluckbrunnen zurückgeführt.

Auf dem Weg durch die sechs miteinander verbundenen Gebäude kann das Wasser sowohl zur Kühlung als auch zur Heizung eingesetzt werden. Diese Technik spart nicht nur Strom und Geld, sondern verringert auch den CO2-Ausstoß: „Energiekosten entstehen im Wesentlichen nur für den Pumpenstrom“, so Bonnet. Damit die Produktion der als „Innovator des Jahres“ ausgezeichneten Schreiner Group störungsfrei ablaufen kann, ist das Facility Management 24/7 im Einsatz. „In den Produktionsräumen herrschen extrem enge Toleranzgrenzen der Feuchtigkeits- und Lüftungswerte, die jeden Tag konstant bleiben müssen“, sagt Bonnet.

Fällt in einem der Produktionsräume die Temperatur ab, ein Befeuchter oder eine Brunnenpumpe aus, erreicht den Facility Manager auf digitalem Weg sofort ein Signal. „Dann wird gehandelt, ob wochentags oder an Weihnachten.“ Ein Mitarbeiter seines 18-köpfigen Teams ist deshalb immer im Bereitschaftsdienst. Für den Ernstfall baut Bonnet außerdem auf Redundanz: „Alle Produktionsräume werden separat klimatisiert, so kann jeweils höchstens ein Bereich ausfallen.“ Diejenigen Ersatzteile, die viele Wochen Lieferzeit brauchen, lagern zudem vor Ort. Speziell wenn es um die Produktion geht, spielen die Risikoanalysen des Facility Managers eine wichtige Rolle.

Eine weitere technische Besonderheit hat Bonnet im begrünten, CO2-neutralen Bürogebäude auf dem Campus etabliert, nämlich die Installation eines elektrisch leitfähigen Luftsystems. „Die Luftqualität in diesen Büros entspricht nachweislich mindestens der am Waldrand“, erklärt Bonnet. Durch den hohen Kleinionengehalt werden Gerüche neutralisiert, die Sauerstoffzufuhr wird verbessert, und das sogenannte Sick-Building-Syndrom wird eingeschränkt – die erhöhte Krankheitsgefahr in Gebäuden durch niedrige Luftqualität. Mit der Innovation spart der Facility Manager ebenfalls Geld, weil für die Lüftungstechnik kleinere Anlagen als üblich nötig sind. Darüber hinaus ist dieses Nachhaltigkeits-Tool auch für die Produktion nützlich, weil es beispielsweise statische Ladungen, Feldstärken und damit Staubpartikel abführt. Diese könnten, wenn sie sich auf den Etiketten festsetzen, eine ganze Lieferung wertlos machen.

Bonnet ist ein Manager im wahrsten Wortsinne. Unter anderem, weil der 53-Jährige neben dem Campus in Oberschleißheim auch das Facility Management an den Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten und China leitet. Mehrmals jährlich überprüft er die dortigen FM-Prozesse und die Gebäudetechnik. „Dieser Job vereint sämtliche technischen Herausforderungen auf einmal“, fasst Bonnet zusammen. Die Verantwortung ist riesig: „Wenn die Produktion stillsteht, weil eine meiner Großanlagen ausfällt, kann das fünf- bis sechsstellige Umsatzverluste bedeuten.“

Um alle digitalen und analogen Einsatzbereiche — Haustechnik, Steuerung und Wartung von Lüftungs-, Entfeuchtungs- und Heizungsanlagen, Kantine, Catering sowie den reibungslosen Ablauf der Reinigung – auf höchstem Niveau im Griff zu halten, ist Bonnet regelmäßig auf externe Facility-Management-Dienstleister angewiesen. „Ich bin Generalist. Dagegen helfen uns die Experten von außen immer wieder in Spezialgebieten.“ Zum Beispiel bei der Wartung der mehr als 3.600 Palettenplätze im Hochregallager, das permanent klimatisiert und betriebsbereit sein muss. Oder wenn es um Beratung geht: „Es gibt für das Facility Management ungefähr 2.000 Gesetze und Verordnungen, nur um der Betreiberverantwortung der technischen Anlagen gerecht zu werden“, erklärt Bonnet. „Da ist Input von außen extrem wichtig.“

Die zentralen Voraussetzungen für nachhaltig effektives Facility Management, das ist für Wolfgang Bonnet auch nach vielen Jahren klar, sind breites Fachwissen, Neugier, Offenheit und ein funktionierendes Netzwerk. „Wer sich wirtschaftlich und technisch weiterentwickeln will, muss sich trauen, neue Wege zu beschreiten und Unbekanntes auszuprobieren. Das erwartet zu Recht auch die Geschäftsführung von mir.“ Neuerungen wie Stromgewinnung durch Photovoltaik, begrünte Flachdächer, Tageslichtsimulation in langen Gängen, Brunnentechnik sowie elektrisch leitfähige Luftsysteme sind für Bonnet nur wenige Beispiele, dass es sich für Menschen, Umwelt und Budget gelohnt hat, neue Wege einzuschlagen. Und die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.